Inkasso in der Türkei

Die Türkei und Deutschland sind enge Handelspartner. Es gibt sowohl die Transaktionen (Export bzw. Ausfuhr) von großen Firmen als auch von mittlere und kleine Unternehmen oder reale Personen. Nach Angaben des türkischen Finanzministeriums lag der Wert der exportierten Waren 2016 bei 21,5 Milliarden Euro (zweites Land nach China), der Wert der Importe lag bei 14 Milliarden Euro. Deutschland ist der sechste Staat der direkt Investitionen in der Türkei tätigt.

Aufgrund dieser Handelsbeziehungen kann es vorkommen, dass Schulden und Forderungen nicht immer rechtzeitig und ordnungsgemäß erfüllt werden. In dieser Hinsicht benötigen internationale Händler möglicherweise rechtliche Unterstützung, um Zahlungen zu regeln, Verträge und Sicherheiten zu binden und Nichtzahlungsverfahren durch Vollstreckungsverfahren zu verfolgen.

Als Vorsichtsmaßnahme empfehlen wir Menschen, die gewerbliche Geschäfte mit Privatpersonen oder Unternehmen in der Türkei zu tun haben werden, mit denjenigen Rechtsgeschäfte abzuschließen, die zur Vertretung von Unternehmen befugt sind. Man sollte vor Abschluss der Geschäfte das Vermögen, die Steuernummer, ob das Unternehmen im zentralen Registereintragssystem registriert ist sowie die Identifikationsnummer nachprüfen und man sollte bei den Verträgen, die man abschließt sich absichern.

In der Praxis haben wir die Erfahrung gemacht, dass viele ausländische Unternehmen, die eine Geschäftsbeziehung mit einem türkischen Unternehmen oder türkischem Partner eingegangen sind, Verluste aufgrund der von ihnen  geschlossenen Geschäftsvereinbarungen erlitten haben, weil sie die Struktur und das Volumen der türkischen Firma oder des türkischen Partners nicht vollständig verstehen. Dieses Unternehmen oder diese Personen, die Forderungen nicht rechtzeitig bezahlen oder die Waren nicht rechtzeitig liefern, denen muss das ausländische Unternehmen an den Schuldner in der Türkei eine Mahnung durch den Notar senden und / oder ein Vollstreckungsverfahren eröffnen und / oder ist gezwungen, zu klagen.

Außergerichtlicher Mahnbescheid nach türkischem Recht

Das Absenden einer Mahnung durch einen Notar ist häufig ein Rechtsbehelf, mit dem der Gläubiger dem Schuldner bei unbestimmten Fälligkeiten in Verzug bringt. Es handelt sich um ein außergerichtliches Rechtsmittel, dass der Gläubiger nutzt um ein letztes Mal bevor er Klage erhebt, die andere Partei warnt, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Der Gläubiger muss nicht unbedingt auf diesen Weg zurückgreifen. Der Grund für die Absendung der Mahnung durch den Notar ist als Nachweis, dass die Mahnung die Gegenpartei getroffen hat sowie zum Nachweis des Inhaltes.

Der Gläubiger kann diese Mahnung auch per Einschreiben an den Schuldner senden, wenn der Schuldner eine registrierte E-Mail-Adresse („KEP-Adresse“) hat. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass eingetragene Kapitalgesellschaften in der Türkei über eine sog. KEP-Adresse verfügen müssen.

Gerichtlicher Mahnbescheid

Wenn es um ein Vollstreckungsverfahren in der Türkei geht, sendet der Gläubiger zunächst dem Schuldner einen Zahlungsbefehl über die Vollstreckungsbehörde und fügt die Dokumente, aus der die Schuld hervorgehen, bei. Der Schuldner, der den Zahlungsbefehl durch Zustellung annimmt, hat eine Einspruchsfrist von sieben Tagen. Der Schuldner muss in der Regel keinen Grund für seinen Einwand angeben. Sollte der Schuldner jedoch schlechtgläubig Einspruch erhoben haben, so kann der Gläubiger eine Klage zur Aufhebung des Einspruchs erheben und sollte er die Klage gewinnen hat der Gläubiger auch Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 20%.

Der Zahlungsbefehl wird rechtskräftig, wenn nicht innerhalb von sieben Tagen Einspruch gegen das Vollstreckungsverfahren erhoben wird und der Gläubiger kann alle Vermögenswerte des Schuldners hinterfragen und die ermittelten Vermögenswerte mit Zwangsvollstreckungen belegen. Das Vermögen des Schuldners, das vor Erlass des Zahlungsbefehls nur begrenzt erforscht werden kann, kann in diesem Stadium durch den Gläubiger über das System der Vollstreckungsbehörde umfangreicher erforscht werden. Die festgestellten Vermögenswerte können sofort gepfändet werden. Anschließend werden diese gepfändeten Waren auf Antrag des Gläubigers von der Vollstreckungsbehörde versteigert bzw. verkauft und der Gläubiger erhält den Erlös.

Einstweilige Verfügung nach türkischem Recht

In der gesetzlichen Frist, nachdem zu Ungunsten des Schuldners das Vollstreckungsverfahren eingeleitet worden ist, kann der schlechtgläubige Schuldner, das zur Zwangsvollstreckung bestimmte Vermögen auf eine andere Person übertragen oder die Entäußerung des Vermögens veranlassen. Zum Beispiel kann der Schuldner sein Haus oder sein Auto verkaufen, sein Geld von seinen Bankkonten abheben, seine Aktien an der Börse verkaufen und sein wertvolles und verkaufsfähiges bewegliches Eigentum verkaufen. Um zu verhindern, dass der Schuldner sein Eigentum entäußert, muss vor dem Vollstreckungsverfahren gegen den Schuldner ein vorsorglicher dinglicher Sicherheitsarrest erwirkt werden.

Es ist notwendig zu erwähnen, dass nicht für jede Forderung ein dinglicher Sicherheitsarrest beantragt werden kann. Es muss sich auf das Dokument (Scheck, Schuldschein, Anleihe usw.) und auf den Titel stützen. Um einen vorläufigen dinglichen Sicherheitsarrest gegen den Schuldner treffen zu können, darf die Forderung nicht verpfändet werden. Die zweite Voraussetzung für den dinglichen Sicherheitsarrest ist die Fälligkeit der Forderung. Ist die Forderung nicht fällig, kann kein dinglicher Sicherheitsarrest beantragt werden.

Der dingliche Sicherheitsarrest kann mit einem Antrag beim Amtsgericht oder beim Handelsgericht angefordert werden. Dieser Antrag wird ohne Verhandlung in den Akten geprüft und bei Vorliegen der Voraussetzungen entschieden. Die Entscheidung über den dinglichen Sicherheitsarrest unterliegt einer Sicherheitsbedingung. Die Garantie besteht darin, dass der Gläubiger den Betrag von zehn oder fünfzehn Prozent der Forderung an die Kasse des Gerichtes einzubezahlen oder den Bankgarantieschein vorlegt. Der Zweck der Sicherheiten besteht darin, bei ungerechtfertigtem dinglichem Sicherheitsarrest die Benachteiligung des Schuldners zu beseitigen. Nach Inkrafttreten der Vollstreckung kann die Sicherheitszahlung nach Antrag bei Gericht zurück genommen werden.

Anerkennungs- und Vollstreckungsklage der ausländischen Gerichtsbeschlüsse

Wenn der Gläubiger im eigenen Land gegen den Schuldner in der Türkei eine Forderungsklage einreicht und gewinnt und diese rechtskräftig wird, kann er in der Türkei ein Zwangsvollstreckungsverfahren eröffnen und die Durchsetzung der Entscheidung veranlassen.

Unsere Dienstleistungen im Bereich Inkasso sind:

  • Vermögensrecherche bzgl. Forderung und Schuldner
  • Mögliche Sicherstellung von gegenseitigen vertragsrechtlichen Verpflichtungen
  • Gerichtliches und außergerichtliches Mahnverfahren
  • Einstweilige Verfügung nach türkischem Recht
  • Anerkennungs- und Vollstreckungsklage der ausländischen Gerichtsbeschlüsse
  • Effektive Realisierung von Forderung

Zwangsvollstreckung in der Türkei: Wir kämpfen für eine sichere Abwicklung

Werden Forderungen nicht beglichen, ist die Zwangsvollstreckung in der Türkei der meist letzte Weg. Dabei können unterschiedliche Güter vollstreckt werden. Neben der Vollstreckung von Häusern und Wohnungen kann dies ebenso Grundstücke und Wertgegenstände betreffen. Als Gläubiger ist es Ihr gutes Recht, Ihre Forderungen durch eine Zwangsvollstreckung in der Türkei auszugleichen. Hierbei stehen wir Ihnen zur Seite.

Wir sind landesweit aktiv

Wie in jedem anderen europäischen Land unterliegt die Zwangsvollstreckung in der Türkei natürlich strengen Auflagen und Gesetzen. Als erfahrene Anwälte kennen wir die Besonderheiten, die mit jeder Vollstreckung einhergehen und helfen Ihnen dabei, Ihre Forderungen durchzusetzen. Unsere Anwälte begleiten die Zwangsvollstreckung landesweit.

Wir vertreten Sie mehrsprachig

Um all Ihre Rechte zu wahren und durchzusetzen, vertreten wir Sie mehrsprachig. Wir stehen Ihnen bei der Zwangsvollstreckung in der Türkei sowohl mit einer türkischen als auch mit deutschen und englischen Beratungen zur Seite. Das macht unsere Kanzlei zum wichtigen Ansprechpartner für internationale Gläubiger. Aber auch als Schuldner können Sie natürlich auf die Erfahrung unserer Anwälte bauen und sich individuell durch uns beraten lassen.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Sprechen oder schreiben Sie uns gerne an

Unsere Anwaltstätigkeit wird in Form eines Pauschalhonorars oder Zeithonorars entlohnt. Wir beantworten Ihre Fragen am Telefon nicht, können Ihnen aber einen Telefontermin anbieten. Gerne können Sie uns Ihr Anliegen per E-Mail oder durch das unten stehende Formular mitteilen und einen Kostenvoranschlag bitten oder einen Beratungstermin unter unseren Rufnummern von +90 212 660 49 00 (Istanbul) oder +49 30 677 901 90 (Berlin) vereinbaren.

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